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Akademisierung Pflegeberufe

Die Anforderungen rund um die Gesundheit und Versorgung werden immer komplexer und stellen die Gesundheitswirtschaft vor große Herausforderungen. Mit begrenzten finanziellen Ressourcen gilt es, bei einem verstärkten Konkurrenzkampf um qualifiziertes Personal, die medizinische, therapeutische und pflegerische Versorgungsqualität weiterzuentwickeln. Der demografische Wandel verstärkt zusätzlich die Notwendigkeit der Professionalisierung und Spezialisierung der Gesundheits- und Pflegeberufe.

Was sind die Grundlagen für eine bedarfsorientierte Akademisierung? Welche Ziele und Konzepte werden verfolgt? Welche Perspektiven haben Akademiker in der Gesundheitswirtschaft und welche Anforderungen stellt die Praxis?
Diese und weitere Fragestellungen waren Inhalt der Fachtagung zur Akademisierung in den Gesundheits- und Pflegeberufen am 16. Oktober 2012 im Hause der Industrie- und Handelskammer Köln.
Die mit ca. 60 Gästen gut besuchte Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit der IHK Köln, dem gewi-Institut für Gesundheitswirtschaft e.V. und der Gesundheitsregion KölnBonn e.V. statt. Teilnehmer waren unter anderem Mitarbeiter und Vertreter der Kliniken, wie Unikliniken Köln, Bonn und Aachen, LVR-Kliniken Bonn und Essen, der Hochschulen, wie Katholische Hochschule NRW, Hochschule Fresenius, Praxishochschule für Gesundheitsberufe und viele mehr.
Herr Watzlawik, Leiter des Referats für Pflege- und Gesundheitsfachberufe, Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW wies gleich zu Anfang auf die Defizite in der Quantität der Ausbildung in den Pflegeberufen hin. Bereits in 2010 hätten insgesamt 2.981 mehr Menschen in den Pflegeberufen ausgebildet werden müssen, um den aktuellen Bedarfen in der Versorgung gerecht werden zu können. Eine Novellierung der Berufsanerkennungsrichtlinien durch die EU-Kommission soll unter anderem eine Novellierung der Zugangsvoraussetzungen für die Pflegeausbildung hin zur 12-jährigen Schulbildung zur Folge haben, um die Pflegeberufe EU-weit anzuerkennen. Laut Herrn Watzlawik werde diese Richtlinie auch umgesetzt - dies würde keinen Zwang für Deutschland mit sich bringen, jedoch den notwendigen Druck auf die Politik zur Anpassung der Deutschen Rahmenbedingungen ausüben.
Herr Prof. Kurt Becker, Studiengangsleiter Gesundheitstechnologienmanagement, APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft sah die neuen Leistungsfelder, die sich in der Schnittmenge zwischen dem 1. und 2. Gesundheitsmarkt bildeten als Herausforderung und Fokus für die Weiterentwicklung der Gesundheitsberufe. Der Aspekt „Technik“ sei in den Curricula zu berücksichtigen. Frau Prof. Dr. jur. Anne Friedrichs, Präsidentin der Hochschule für Gesundheit betonte, dass die Akademisierung in den Gesundheitsberufen besonders wichtig sei, um den komplexen Anforderungen des Versorgungsauftrages gerecht werden zu können. „Die Gesundheitsfachleute müssen in der Lage sein ihr Handeln auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse immer wieder in Frage zu stellen, zu bewerten und diese Erkenntnisse in die Praxis zu implementieren.“, argumentierte Frau Prof. Dr. jur. Friedrichs.
Herr Pröbstl, Pflegedirektor der Uniklinik Bonn, stellte zudem klar heraus, dass durch die sich ändernde Situation im Krankenhaus, hin zur kürzeren Verweildauer, jedoch steigender Multimorbidität mehr Versorgungsformen und Versorgungsleistungen außerhalb der Klinik benötigt würden. Zudem müssen Pflegerinnen und Pfleger im Krankenhaus in der Lage sein, die Patienten zu Beraten, über die Diagnostik zu informieren und zur Selbsthilfe anzuleiten. Der Mehrwert der Akademisierung müsse beim Patienten spürbar sein, sonst wäre das Ziel verfehlt, womit Herr Pröbstl Zustimmung von Referenten und Publikum bekam.
Vom Publikum, wie auch Referenten wurde klar gefordert für die akademischen Gesundheitsberufe ein detailliertes Aufgabenprofil zu erstellen, das bei Studierenden, Gesundheitseinrichtungen, aber auch bei Bildungsträgern für Transparenz sorgt.

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